Schnelle Runden drehn

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Daten zur Radrennbahn

Länge: 200 Meter
Baujahr: 1988
Material: Holz
Geschlossene Halle
Ganzjähriger Betrieb

Ironman in Podersdorf am Neusiedler See

(Udo Lubberich) Eigentlich wollte ich die Saison mit der Mitteldistanz in Erlangen beenden. Schon dass ich dieses Rennen überhaupt bestreiten konnte war schon recht überraschend, da der Winter (trainingstechnisch gesehen) ein totaler Flop war. Geschwommen bin ich über den Winter nur sporadisch, das Lauftraining habe ich erst wieder im Februar mit ersten vorsichtigen Schritten begonnen (die Laufzeiten waren jenseits von gut und böse). Deswegen konnte ich mit meinem Ergebnis von Erlangen hochzufrieden sein. Einen Ironman zu bestreiten, daran war erst im Jahr 2008 gedacht. Dann kam der Anruf von der Altenpflegeschule der Diakonie und es war klar, dass 2008 und 2009 keine Zeit für eine vernünftige Vorbereitung für solch ein Vorhaben wäre. Nach reiflicher Überlegung habe ich mich kurzfristig in Podersdorf angemeldet. Mir war klar, dass das Rennen kein Zuckerschlecken werden würde, aber machbar sein sollte. Oberste Priorität hatte das Ankommen, als Zielzeit waren 12 Stunden angepeilt.

Die Devise lautete (für alle Disziplinen): Nicht überziehen, im Zweifel lieber etwas Tempo herausnehmen. Start war um 7.30 Uhr. Ich war ziemlich aufgeregt, aber guter Dinge. Zuerst 2 Runden im flachen See schwimmen, nach meiner Planung hatte ich hierfür 1 Stunde 25 Minuten veranschlagt. Der Startschuss fiel und ab ging die Post. Ich hatte mich hinten eingereiht, um mich nach Möglichkeit aus allen Positionskämpfen herauszuhalten. Trotzdem war es eine ziemliche Prügelei auf der ersten Runde, obwohl es nur rund 300 Starter waren. Was allen schwer zu schaffen machte war der starke Wellengang. Ein paar Schlucke Seewasser haben dann auch noch dafür gesorgt, dass kein Durstgefühl aufkam. Nach 1:04:37 kam ich als 181 aus dem Wasser. Ich war ob meiner guten Schwimmleistung total überrascht. Ich fühlte mich gut, hatte beim Schwimmen immer das Gefühl noch einen Zahn zulegen zu können. Ich hatte also einen jener guten Schwimmtage erwischt.

Dann ohne Hektik wechseln und rauf aufs Rad. Geplant hatte ich fürs Radfahren 6 Stunden. Jetzt waren 4 Runden auf einer total flachen Strecke angesagt. Es wurde auch dem letzten Starter klar welche Probleme heute auf alle zukommen würden: Angesagt waren ja schon Temperaturen bis 32 Grad (die dann auch erreicht wurden), hinzu kam noch der übliche starke Wind aus Nordwest. Das bedeutet, dass in jeder Runde die letzten 14 km im harten Gegenwind zu fahren waren. Mit Tempo 26/27 zu kurbeln und dabei den Eindruck zu haben nicht vom Fleck zu kommen, ist schon ganz schön ermüdend. Wenn der Kurs so flach ist wie Podersdorf, bedeutet das eben auch 180 km treten und keine Sekunde auf einer Abfahrt ausruhen zu können. Nicht mal die „Vorwindstrecken“ brachten Erleichterung. Irgendwann war es einfach nur noch schwer. Bereits nach ca. 80 km begann mir schon der Hintern weh zu tun. Auf der letzten Radrunde begann ich mich dann aufs Laufen zu freuen(!!!!), weil ich dann nicht mehr sitzen musste/konnte/wollte. Nach 5:54:32 hatte ich die Radstrecke hinter mich gebracht. Der Durchschnittspuls war ok. Schön in der Mitte des GA1-Bereiches. Die Beine fühlten sich in Anbetracht von 180 km Radfahren auch noch gut an. Getrunken hatte ich auch immer ausreichend, Durstgefühl hatte ich keines.

Auch nun wieder ohne Hektik wechseln, die Laufsocken und Laufschuhe anziehen und bloß kein hohes Tempo anschlagen. Planung 4 Stunden 15 bis 4 Stunden 30. Die Laufstrecke ist eine 5 km lange Wendepunktstrecke vollkommen ohne Schatten. Aufgrund der großen Hitze war mir klar, dass ich auf keinen Fall eine Verpflegung auslassen durfte. Am Vorabend bei der Wettkampfbesprechung meinte der oberste Wettkampfrichter: „Ihr werdet durch die Hölle gehen.“ Dies war doppeldeutig gemeint, da der Wendepunkt im Naturschutzpark-Abschnitt „Illmitz Hölle“ lag und natürlich zum anderen die hohen Temperaturen erwartet wurden. Bis km 10 war alles im grünen Bereich, der Puls vielleicht ein klein wenig zu hoch, aber ich fühlte mich soweit gut. Ab hier merkte ich wie ich langsamer wurde, was mich allerdings nicht beunruhigte. Bei km 14 bin ich dann „geplatzt“. Also mit verringertem Tempo weiter bis zum Wendepunkt bei km 15 und der dort vorhandenen Verpflegungsstation.

Ich musste mich zuerst einmal hinsetzen und durchschnaufen. Allerdings merkte ich auch wie mein Kreislauf schlapp machte. Was tun? Jetzt war guter Rat teuer. Ich erinnerte mich was ich in Anatomie, Pathologie und in Erster Hilfe gelernt hatte. Die Notfallmaßnahme lautet: Beine hoch lagern!! War die Zeit gekommen aufzugeben? Jetzt aufhören, wo ich doch schon so weit gekommen war? Zurück zum Ziel musste ich eh. Das heißt weitere 5 km musste ich sowieso zurücklaufen. Dann wäre ich schon bei km 21, d.h. die Hälfte der Laufstrecke. Zeit bis zum Zielschluss war auch noch reichlich. Was soll’s, brauche ich eben mehr als 12 Stunden.

Nachdem ich also inzwischen 11 Minuten mit ausruhen (und nachdenken) verbracht hatte, rappelte ich mich wieder auf und ging langsamen Schrittes Richtung Ziel. Mir ging es den Umständen entsprechend gut. Nacheinander zogen andere Läufer an mir vorbei. Ich beschleunigte meine Schritte und schlug allmählich ein flottes Gehtempo an. Einige Zeit später begann ich langsam zu traben. Die nächste Verpflegung kam, jetzt lieber stehen bleiben beim trinken, abkühlen mit Wasser nicht vergessen. Nach der Verpflegung wieder in einen langsamen Trab fallen oder auch gehen. Nachdem ich so km 21 erreicht hatte stand der Entschluss fest: Ich schaffe die volle Distanz. Immer schön langsam laufen und manchmal eben auch ein Stück flott gehen. Ich nahm nun auch wieder die anderen wahr. Die machten es genauso. Gehen – laufen – gehen – laufen. Ich war also in bester Gesellschaft. Ich war nicht der einzige dem die Strapazen zu schaffen machten. Bei km 37, an der letzten Wende, stellte sich sogar so etwas wie ein Glücksgefühl ein. Ich musste die 5 km nur noch ein Mal zurücklegen!! Auf diese Art und Weise benötigte ich für die 42 km zwar 5:13:36, aber ich hatte meinen ersten Ironman bewältigt!!! Gesamtzeit: 12:20:57. Und im Ziel konnte ich mich sogar richtig freuen!

Rückblickend kann ich sagen, dass ich mit meiner Leistung sehr zufrieden bin. Die äußeren Bedingungen waren alles andere als optimal. Der diesjährige Sieger (zugleich Halter des Streckenrekordes) war 32 (!!) Minuten langsamer als in seinem Rekordjahr. Meine Vorbereitung über das Jahr gesehen war gut, hätte aber besser sein können.

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