
Von Friedberg nach Kitzbühel und auf das Kitzbüheler Horn
Für mich begann der Tag des Kitzbüheler Radmarathons am Sonntag, den 06.09.2026, um 2:45 Uhr nachts. Nach dem Aufstehen ging es per Auto nach Kitzbühel. Dort holte ich meine Startnummer ab, bevor um 6:30 Uhr der Startschuss fiel. Eingeteilt in Startblock 2 ging es durch das Zentrum von Kitzbühel auf die 210 Kilometer lange Strecke mit rund 4.000 Höhenmetern. Vor mir lagen 11,5 Stunden im Sattel und einige der schönsten Anstiege Tirols: der Pass Thurn, die legendäre Gerlosplatte, lange Auffahrten durch die Zillertaler Alpen sowie zahlreiche weitere Bergstraßen. Ständig wechselten sich schnelle Talpassagen mit anspruchsvollen Kletterpartien ab und boten Ausblicke auf die Tiroler Bergwelt. Bereits auf den ersten Kilometern fiel übrigens mein gelb-blaues Trikot der RSG Augsburg auf. Während viele Fahrer in dunklen Farben unterwegs waren, war unser Vereinsdress offenbar kaum zu übersehen. Mehrfach wurde ich unterwegs angesprochen: „Augsburg ist also auch vertreten!“ Unsere Vereinsfarben haben Wiedererkennungswert! Die Organisation der Veranstaltung war insgesamt gut. Super die Streckensicherung, zahlreiche Helfer und Polizei sorgen dafür, dass der Verkehr für jeden einzelnen Fahrer angehalten wird. Dadurch konnte man die Strecke durchrauschen und sich auf das Rennen konzentrieren. Gerade auf den schnellen Abfahrten und den Ortsdurchfahrten vermittelte das Sicherheit. Und dennoch: Ein Fahrer verlor in einer Kehre die Kontrolle und knallte in die Leitplanken – Rettungshubschrauber, Krankenwagen, das volle Programm. Also, safety first: Ich versuche immer hochgradig kontrolliert und nicht zu schnell zu fahren. Lieber Sekunden verlieren als Risiken eingehen. Etwas enttäuschend waren (wie im letzten Jahr) die Verpflegungsstationen. Das Angebot beschränkte sich auf trockenes Brot, Riegel, Red Bull, Cola und Wasser. Leider kein Kuchen. Ich hatte Tütchen mit Maltodextrin, Fructose, Dextrose und Elektrolyten für die Wasserflaschen mit. Ich habe darauf geachtet, bergauf nie mehr als eine volle Flasche zu haben, jedes zusätzliche Gramm muss ja den Berg hoch. Am Ende: das Kitzbüheler Horn. Der Schlussanstieg mit Steigungen > 20% ist hart, nach 9 Stunden im Sattel und 3,000 absolvierten Höhenmetern werden die letzten 1,000 hM zur Qual. Viele sind abgestiegen. Ich habe mir geschworen: Du steigst nicht ab. Oben angekommen hätte ich zwar noch Luft für weitere 100 Kilometer gehabt, aber die vordere Oberschenkelmuskulatur hat allmählich kapituliert. Oben angekommen fährt man mit der Gondel wieder runter, leider mit langer Wartezeit von ca. 1,5 Std. Mit einer Fahrzeit von rund 11,5 Stunden bin ich für meinen Geschmack viel zu langsam, andere Fahrer sind Stunden schneller. Also: ich muss mehr Intervalleinheiten fahren und das Kraft-Ausdauer-Training verbessern. Ziel: dauerhafte Leistung bei einem Marathon von aktuell 125 Watt auf 160 Watt steigern, dann bin ich nicht so lange unterwegs. Nächster Marathon: Sonntag, 20.09.2026, Schwarzwald Ultra Radmarathon (SURM).
Heinrich Böker, RSG Augsburg




